German 204: Intermediate German II
Thema: Die multikulturelle Gesellschaft

Hintergrundinformation zum Text
Seit 1953 gibt die Mineralöl-Gesellschaft Shell wissenschaftliche Untersuchungen über Jugendliche in Deutschland in Auftrag. Einige Interviews der Shell-Studie zur Einstellung und Lebenssituation junger Ausländer in Deutschland wurden in der Zeitung “Kölner Stadtanzeiger” veröffentlicht.


Vokabelerklärungen

Multikulti ugs.: multikulturell, die multikulturelle Gesellschaft, die Multikulturalität
Wischiwaschi ugs.: etwas Ungenaues, nichts Klares, etwas Verschwommenes
die Firmvorbereitung Vorbereitung auf die Firmung = eines der sieben Sakramente in der katholischen Religion; durch die Firmung soll der Glaube gefestigt werden; Jugendliche werden im Alter von etwas 14 Jahren gefirmt

Multikulti ist immer noch besser als Wischiwaschi
Junge Ausländerinnen und Ausländer äußern sich über ihr Leben in Deutschland, ihre Zukunft und das Zusammenleben mit Deutschen


Tran Van Ngoc (17) aus Berlin:

“1988 bin ich mit sieben Jahren nach Deutschland gekommen. 1993 war ich das erste Mal wieder in Vietnam. Aber ich habe mich dort fremd gefühlt - ohne Heimatgefühle. In Vietman bin ich eine Touristin. Als in Berlin 1989 die Mauer fiel, hat es noch zwei Jahre gedauert, bis ich zum ersten Mal “drüben” war. Auch den Übergang, dass der Osten langsam verschwindet, habe ich zuerst überhaupt nicht gemerkt. Wenn ich einen deutschen Pass habe, dann wird bestimmt keiner auf die Idee kommen, dass ich Deutsche bin. Wenn ich aber hier studiere und später auch ein Praktikum mache, dann ist es praktischer die deutsche Staatsbürgerschaft zu besitzen."


Gönül (21) aus Minden:

"Wenn man aus einer sehr armen Familie kommt, dann ist der Bildungsweg eine Möglichkeit dieser Armut zu entkommen. Es ist viel schwieriger hier zu leben und viel einfacher in einer türkischen Großfamilie, wo man nicht nur eine Person hat zum Ansprechen, sondern zehn. Wenn ich in der Türkei bin, fühle ich mich immer sehr geborgen und voller Energien, wenn ich wiederkomme, komme ich nach dem Motto: "Jetzt kann ich die Welt retten!" Aber letztlich hat es keinen Sinn beides miteinander zu vergleichen, weil es zwei verschiedene Welten sind.”


Reyhan (16) aus Berlin:

"Deutschland ist ein großes Thema in der Türkei. Die wissen, dass man hier viel mehr Chancen hat aus dem Leben etwas zu machen. Die wissen, dass man hier die Religion besser ausleben kann als in der Türkei. Dort darf man doch nicht einmal mit dem Kopftuch zur Schule gehen. Die Lehrer sagen: "Wer ein Kopftuch trägt, hat kein Gehirn". Ich würde sehr gerne zurückgehen, wenn es dort die Möglichkeit gäbe, so zu leben wie hier - mit Kopftuch."


Tino (19) aus Nürtingen:

"Ich sitze irgendwie auf zwei Stühlen. Gut, das Herz schlägt vielleicht ein bisschen stärker für Italien, ich gehöre auch irgendwie zu Deutschland. Wir können nicht sagen, dass Integration immer nur von einer Seite kommen muss - beide Seiten müssen das wollen. Ich habe dieses Jahr bei der Firmvorbereitung in einer deutschen Kirchengemeinde geholfen, weil da so viele italienische Firmlinge waren. Da haben wir immer ein bisschen Italienisch gebetet. Das finde ich etwas Schönes, das ist Multikulti, aber nicht Wischiwaschi."


Übungen


A. Inhalt. Ordnen Sie den Personen die jeweiligen Heimatländer ihrer Eltern zu.
Tran Van Ngoc  
Gönül  
Reyhan  
Tino  

 

B. Inhalt. Schreiben Sie auf, welche Gefühle bzw. Eindrücke jede Person mit Deutschland verbindet.
Tran Van Ngoc

 

 

Gönül

 

 

Reyhan

 

 

 

C. Inhalt. Schreiben Sie auf, welche Gefühle bzw. Eindrücke jede Person mit dem Heimatland der Eltern verbindet.
Tran Van Ngoc

 

 

Gönül

 

 

Reyhan

 

 

 

D. Inhalt. Kreuzen Sie an, wo sich die Person “zu Hause” fühlt, im Heimatland der Eltern oder in Deutschland.
  Heimat der Eltern Deutschland
Tran Van Ngoc    
Gönül    
Reyhan    
Tino    

 

E. Inhalt. Wer ist sie? Welches Label würden Sie für Tran Van Ngoc wählen?

a. Deutsche
b. Ausländerin
c. Deutsche ausländischer Herkunft
d. ausländische Deutsche
e. deutsche Ausländerin
f. ?


F. Vokabelarbeit. Versuchen Sie die Wurzel zu identifizieren und die Bedeutung der Wörter zu erraten. Nehmen Sie dabei den Kontext zu Hilfe.

Es ist praktischer, die deutsche Staatsbürgerschaft zu besitzen.

1. die Staatsbürgerschaft _______________________________________________

Der Bildungsweg [ist] eine Möglichkeit dieser Armut zu entkommen.

2. Bildungsweg ________________________________________________________

3. die Armut ___________________________________________________________

Es ist viel einfacher, in einer türkischen Großfamilie zu leben.       

4. die Großfamilie ______________________________________________________

Wer ein Kopftuch trägt, [...]

5. das Kopftuch ________________________________________________________ 

   


G. Vokabelarbeit. Versuchen Sie die Bedeutung der kursiv gedrucken Wörter zu erklären. Nehmen Sie dabei den Kontext zu Hilfe.

1. Junge Ausländerinnen [...] äußern sich über ihr Leben in Deutschland [...].

2. Der Bildungsweg [ist] eine Möglichkeit dieser Armut zu entkommen.

3. Die wissen, dass man hier die Religion besser ausleben kann.